Das Angler Rotvieh (alte Zuchtrichtung),


wie es korrekt heißt, gehört wohl zu den ältesten und ursprünglichsten Nutztierrassen die es gibt. Das einst aus Frankreich und England eingeführte Keltenrind erhielt im späten 19. Jahrhundert durch Einkreuzung von Berner, Tiroler und Zillertaler Rindern seinen typischen Charakter. Seine dadurch gewonnenen günstigen Eigenschaften für eine klimatisch und geographisch schwierige Region machten es zu einem wertvollen Nutztier für die damals ansässigen Bergleute.


Rassebeschreibung:

Das Rotvieh ist eine einfarbig rote bis rotbraune Rinderrasse mit hellen Hörnern, hellem Maul und heller Schwanzquaste. Die Widerristhöhe liegt zwischen 130 und 145 cm. Ausgewachsene Tiere wiegen zwischen 500 und 1000 kg.


Die Leistungen der Kühe:

Dieses sogenannte Dreinutzungsrind lieferte den Bergleuten Milch, Fleisch und zur Erleichterung der Arbeit die Muskelkraft. Durch seine robuste Konstitution, Langlebigkeit und Anspruchslosigkeit ist das „Angler Rotvieh“ heute noch genauso wie früher für den Harz geeignet.


Notwendigkeit der Haltung:

Für die Bergleute war die Haltung und Pflege der Tiere überlebensnotwendig, denn sie erbrachten die Hälfte der Familieneinnahme. Die Bergwiesen sind eine natürliche und geschichtliche Eigenart des Oberharzes zugleich und ihre Erhaltung ist eine wichtige Aufgabe für einen Erholungsort. Die Viehwirtschaft mit Kuh oder auch Ziege sicherte wichtige Existenzgrundlagen. Im Oberharz war für das Rotvieh die Waldweide die Ernährungsquelle, von Mai bis Oktober wurden die Kuhherden in die nahen Wälder getrieben. Die Bergwiesen hingegen nützte man für die Heugewinnung. Über Jahrhunderte entstand so eine Kulturlandschaft, die nicht ausschließlich vom Bergbau geprägt wurde und mit ihrem Artenreichtum bis heute eine Augenweide nicht nur für Touristen ist.


Die "gefährdete" Rasse:

Was macht nun diese gefährdete Population so erhaltungswürdig – und warum gibt es extra nationale Fachprogramme zum Erhalt der tiergenetischen Ressourcen? Das Harzer Rotvieh hat als älteste Landrasse mehr zu bieten, als viele andere, und zeichnet sich durch eine Reihe von Vorzügen aus:


   * Genügsam, gesund und problemlos

   * beste Mütterlichkeit, leichtkalbig, vitale Kälber mit hohen Zunahmen

   * Milch mit einem sehr hohen Gehalt an Inhaltsstoffen

   * besondere Fleischqualität, kurzfasrig ohne Talg und Fett

   * robuste Arbeitstiere für alle Gespannarbeiten, marschfähig über weite Strecken

  * ideale und schonende Landschaftspfleger für Berg- und Feuchtwiesen, extreme Lagen, Grenzstandorte, Streuobstwiesen und       Gipskarst-Standorte

   * wetterharte, artgerechte Haltung in friedlichen Herden


Unser Bestrebungen gehen über die normale züchterische und wirtschaftliche Arbeit hinaus. Nicht nur die Erhaltung der genetischen Vielfalt, sondern auch       ökologische und kulturelle Aspekte spielen eine Rolle. 1970 wurde der letzte Rotviehbulle in der Besamungsstation Nordhausen geschlachtet. Im Harz        verschwand Ende der 70-er Jahre das Rote Höhenvieh, hier spricht man von Harzer Rotvieh, vollständig aus der beheimateten Region.


Ursache dafür war die stark leistungsorientierte Ausrichtung der Rinderzucht. Die mittelrahmigen, familienintegrierten Milch, Fleisch und Arbeitsleistung erbringenden Rinder hielten den modernen Anforderungen an Fleischausbeute und Milchmenge (wohl aber der der Inhaltsstoffe) nicht stand. Dazu war es chic und auch wesentlich effektiver, mit Traktoren Felder und Grünflächen zu bewirtschaften und mit dem Auto in die Stadt zu fahren, statt mit dem Kuhgespann!


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